Frauenquote – brauchen wir die?
Obwohl etwa 50 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen weiblich sind, herrscht deutschen Führungsetagen nach wie vor eine ‚maskuline Monokultur‘. Gelegentliche charmant-weibliche Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Seit zehn Jahren gibt es zwar eine freiwillige Vereinbarung der Wirtschaft, die Chancen für Frauen ‚nachhaltig‘ zu verbessern – viel passiert ist seither nicht.
Doch nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) letzte Woche klargestellt hatte, dass es eine gesetzlich festgelegte Quote – wie sie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit ihrem 30-Prozent-Schlüssel für börsennotierte Unternehmen deshalb gefordert hatte – nicht geben würde, kehrt noch immer keine Ruhe bei dem Thema „Erhöhung des Frauenanteils in Spitzenpositionen der Wirtschaft“ ein. Merkel will den Unternehmen zunächst noch eine Chance geben, ihre „guten Absichten“ in Bezug auf eine Frauenquote umzusetzen.
In eine ähnliche Kerbe schlägt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Er hofft auf einen „Pakt“ mit der Wirtschaft. Brüderle erklärt, er setze auf Partnerschaft statt auf Zwang. Nach dem Vorbild des Ausbildungspaktes solle die Wirtschaft „im gemeinsamen Dialog“ zu freiwilligen Verpflichtungen bewegt werden, um so die Frauenquote in Führungspositionen zu erhöhen.
Unverständnis bei Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Sie habe ja mit Brüderle zusammen schon längst für März die Vorstände großer Unternehmen eingeladen, um einen solchen Pakt für Frauen zu vereinbaren. Eingeladen sind die Personalchefs und Arbeitsdirektoren der Dax-30-Unternehmen. Schröder betont zugleich, die Regierung müsse aber „den Grad der Verbindlichkeit erhöhen“. Sie will deswegen noch im ersten Quartal einen passenden Gesetzesentwurf zur flexiblen Frauenquote vorlegen. Den Unternehmen haben bis 2013 die Möglichkeit, den Frauenanteil in den Chefetagen freiwillig zu erhöhen. Wenn es bis 2013 nicht gelinge, die Quote der weiblichen Mitglieder von Vorständen und Aufsichtsräten im Bundesdurchschnitt zu verdreifachen, solle eine gesetzliche „Pflicht zur Selbstverpflichtung“ eingeführt werden.
Übrigens: Die Deutsche Telekom ist bislang das einzige Dax-Unternehmen mit Frauenquote. Sie will in fünf Jahren 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen mit Frauen besetzt haben. Auch beim Energiekonzern Eon soll es laut ‚Handelsblatt‘ nun ähnliche Pläne geben.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte zuvor ermittelt, dass der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der 200 größten deutschen Firmen 2010 nur bei 3,2 Prozent gelegen habe. In den größten 100 Betrieben sowie in den 30 DAX-Unternehmen seien sogar nur 2,2 Prozent der Top-Positionen mit Frauen besetzt.
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Nein, wir brauchen keine Frauenquote. Erstens ist es verfassungswidrig, ein Geschlecht per Gesetz zu privilegieren bzw. zu benachteiligen. Zweitens werden die Unternehmen schon jetzt in zu großem Umfang durch staatliche Einflussnahme in ihrer Freiheit eingeengt. Und dass der Staat den Unternehmen per Gesetz vorschreibt, wen sie einzustellen bzw. zu befördern haben, das ist Sozialismus, auch wenn das angeblich einer guten Sache wie der Gleichberechtigung dient.
A pro pos: Es geht bei der Frauenquote nicht um Gleichberechtigung, sondern ganz alleine um mehr Macht für Frauen, um ihre Teilhabe an den lukrativsten und einflussreichsten Jobs in der Wirtschaft. Man sollte bitte schön doch so ehrlich sein, das Kind beim richtigen Namen zu nennen.
Die Berichterstattung hat durchaus etwas Surreales: In ihrem Mittelpunkt steht die ambitionierte Karrierefrau, die nicht zum Zuge kommt, weil sie auf ihrem steilen Weg nach ganz oben, in den DAX-Vorstand, an gläsernen Decken abprallt und am Widerstand von Old-Boys-Netzwerken scheitert.
Weil jedoch nur ein unvorstellbar kleiner Teil der Berufstätigen diesem grausamen Schicksal zum Opfer fällt (deren Anzahl steht in einem völlig umgekehrten Verhältnis zum Medienhype, der um dieses Scheinproblem veranstaltet wird), tippt sich der ganz normale Arbeitnehmer nur noch verständnislos an die Stirn. Solche Sorgen hätte er auch mal ganz gerne.
Und, man kann es nicht oft genug sagen: in anderen Berufsfeldern sind Männer ebenfalls krass überrepräsentiert: bei den Knochenjobs mit hoher Gesundheitsbelastung. Für solche Berufe fordert nie jemand eine Frauenquote. Das passiert nur dort, wo viel Gehalt, Macht und Sozialprestige winken. Das ist nicht Gleichberechtigung, sondern ungenierte Rosinenpickerei.